Eröffnungsrede von Guido Klamt auf dem Landesparteitag in Stuttgart

"Weniger ist mehr" als ureigenes ÖDP-Thema

Wie irrsinnig ist doch die Politik geworden. Da wird der Digitalpakt für Schulen zwischen der Bundesregierung und den Ländern bekannt gegeben, mit dem Milliarden für die digitale  Ausstattung der Schulen ausgegeben werden sollen. Die Reaktion von Herrn Ministerpräsident Winfried Kretschmann ließ nicht lange auf sich warten.  Er verbat sich die Einmischung des Bundes bei der Bildung. Ich hatte ja gehofft, er würde lieber das Geld für die Instandhaltung der Schulen nutzen wollen und wäre deshalb ungehalten. Aber mitnichten. Ihm ging es nur darum, dass der Bund nicht mitbestimmen solle.  Da geben wir doch lieber Milliarden für Laptops und Internet aus anstatt Heizungen oder Toiletten zu reparieren, Sporthallen oder Schwimmbäder herzurichten oder Lehrer einzustellen. Ist eben nicht so wichtig, digitales Lernen ist die Zukunft. Bald werden die Lehrer dann wohl überflüssig und in Zukunft lernt man in digitalen Räumen von zu Hause aus. Eine schöne neue Welt kommt da auf uns zu und keine der etablierten Parteien schreit auf. Digital ist die Zukunft. Wer dagegen ist, wird als Zukunftsgefährder deklariert. Es ist Zeit für eine Rückbesinnung auf das, was uns Menschen ausmacht. Dies hat nichts mit Konservatismus zu tun, sondern die Rückbesinnung (oder Regroundment, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, falls Sie das mal hören sollten) soll uns Halt geben in einer Welt, die uns manchmal Angst macht.

„Weniger ist mehr“, unter diesem Slogan hatte die ÖDP große Erfolge in den 90er Jahren. Aber geht dieser Spruch auch heute noch? Inzwischen wurde er von vielen genutzt und kopiert. Weniger ist mehr… ist das heute noch tragbar und modern,  fühlen sich Menschen davon in der Politik angesprochen? Die große Mehrheit der Wähler wohl nicht, deshalb machen die Grünen ja auch viel lieber auf eine „Schön-Wetter-Politik“ und ziehen  große Scharen von Wählern an sich. Aber ist dies die Lösung für die drängenden ökologischen Probleme dieser Welt? Mitnichten! Was wir brauchen ist eine ehrliche Politik, die den Menschen klar macht, was nötig ist um die Welt auch für unsere Enkel noch zu erhalten. Dann bekommen wir halt keine 30% bei den Wahlen, aber mit 5% wären wir ja auch schon zufrieden.

„Weniger ist mehr“ oder „mehr durch weniger“? Dies wurde unter anderem auf dem Treffen des Bundesvorstandes mit den ersten fünf Europawahlkandidaten am vergangenen Sonntag in Erfurt diskutiert, auf dem ich auch als fünfter der Bundesliste anwesend war. Egal wie rum schlussendlich dieser Slogan genutzt wird, es ist auch für uns eine Rückbesinnung auf unsere Wurzeln. Mit den richtigen Themen kombiniert kann uns dieser Slogan als Dach der Werbekampagne wieder dahin bringen, wo wir hingehören: nach vorne. Machen wir uns auf in den heutigen Parteitag unter dem Motto „weniger Tempo ist mehr Entschleunigung“. Lassen wir uns Zeit für gute Diskussionen, ohne aber natürlich die Zeit und unsere Tagesordnung aus den Augen zu verlieren. Und damit uns dies nicht passiert, wählen wir nun als erstes ein Parteitagspräsidium, das uns durch diesen Tag führen wird. Vielen Dank für Ihre  und Eure Aufmerksamkeit und viel  Spaß heute hier in Stuttgart. Danke schön.

Guido Klamt, Landesvorsitzender der ÖDP Baden-Württemberg

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